Der Ausländerbeirat in München

Zu Beginn der 1970er Jahre werden die Rufe nach einer Vertretung der ausländischen Arbeitnehmern im lokalpolitischen Geschehen immer lauter und es entstehen Gruppen und Gruppierungen, die sich mit der Situation der Ausländer beschäftigen und deren Probleme thematisieren.
Hauptkritikpunkt ist die soziale Ungleichheit zwischen einheimischen und ausländischen Arbeitskräften, die sich, so die Betroffenen, seit dem Inkrafttreten des Ausländergesetzes von 1965 noch verschärft hat.
Was die wirtschaftliche Ausbeutung der ausländischen Arbeitskräfte betrifft, so zeigt sich diese vor allem in geringeren Löhnen, immer noch unbefriedigenden Wohnverhältnissen und
der ständigen Angst vor Ausweisung

Gefordert werden deshalb in erster Linie längerfristige oder unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, die Aufgabe des Rotationsprinzips und die rechtliche Gleichstellung der ausländischen Arbeitnehmer

Nach dem Nürnberger Modell soll deshalb auch in München ein Ausländerbereit gegründet werden, der sich aus 26 Mitgliedern zusammensetzt, die die in München vertretenen Nationalitäten im Verhältnis der entsprechenden Einwohnerzahlen repräsentiert. Dies bedeutet konkret, dass der zukünftige Ausländerbeirat aus 7 Jugoslawen, 6 Türken, 5 Italienern, 4 Griechen, 2 Spaniern und 2 sonstigen Vertretern bestehen soll.

Parallel dazu hatte der Freistaat Bayern Anfang der 70er Jahre mehrere regionale Koordinierungskreise gegründet, deren Aufgabe es war, die Maßnahmen zur Betreuung ausländischer Arbeitnehmern zu koordinieren. Zur gleichen Zeit hat die Stadt München eine Studie in Auftrag gegeben, die unter dem Titel "Kommunalpolitische Aspekte des wachsenden ausländischen Bevölkerungsanteils in München" versuchte, die Bedürfnisse der ausländischen Mitbürger zu erfassen und Wege aufzuzeigen, wie man diesen Bedürfnissen gerecht werden konnte. Eine eigens gebildete Kommission befasste sich dann mit einem Maßnahmenkatalog zur Integration von hier lebenden Ausländern und empfahl schließlich die Einrichtung eines Ausländerbeirates in München. Am 3. April 1974 beschloss der Stadtrat die erste Satzung über diesen Ausländerbeirat, der sieben Monate später, am 23.11.1974 konstituiert wurde. Dieser Ausländerbeirat hatte die Aufgabe, den Stadtrat und die Verwaltung in allen Fragen, die Ausländer in München betreffen, zu beraten, die Verbindung zwischen Ausländern und Einheimischen in München zu gewährleisten und kulturelle, sportliche und soziale Aktivitäten der ausländischen Bevölkerung zu fördern.
Der erste Ausländerbeirat hatte 39 Mitglieder, von denen 26 ausländische Vertrauensleute und Personalräte waren, die durch ein Wahlmännergremium gewählt wurden. Vorsitzender war der Kroate und Betriebsrat Oskar Frankovic. Hinzu kamen 12 deutsche Mitglieder und ein städtischer Beamter als Geschäftsführer. Die Amtszeit dieses ersten Ausländerbeirats dauerte bis zum 16. Mai 1979. Danach wurde die Satzung geändert und die Wahl durch ein Wahlmännergremium abgeschafft. Die Mitglieder des nächsten Ausländerbeirates wurden nun von in der Ausländerarbeit tätigen Institutionen vorgeschlagen und vom Stadtrat berufen.
Die dritte Amtszeit des Ausländerbeirates begann am 25. Juni 1984 mit 27 ausländischen und acht deutschen Mitgliedern.
Am 5. Juli 1989 wurde der Ausländerbeirat zum letzten Mal für eine Übergangszeit bis zur Direktwahl des Ausländerbeirates durch die ausländische Bevölkerung Münchens berufen.

Spanischer Ergänzungsunterricht


So wenig sich die spanischen Gastarbeiter der ersten Generation trotz entsprechender Angebote um ihre eigenen deutschen Sprachkenntnisse gekümmert haben, so vehement setzten sie sich für eine umfassende Schulbildung ihrer Kinder ein.
Bereits 1969 hat es erste Versuche gegeben, den Spanischunterricht in Eigeninitiative anzubieten. Mehrere Monate lang wurde in den Räumen der Unión Española Unterricht angeboten, der zu Beginn auch von zahlreichen Kindern besucht wurde. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten war diesem ersten Versuch jedoch kein dauerhafter Erfolg beschieden. Eine zweite Initiative startete in der Blumenstraße, doch auch hier litt das Projekt zunächst unter der organisatorischen Unerfahrenheit der Initiatoren.
1970 stellte die Misión Española zwei Nonnen als Lehrerinnen ab, die den Ergänzungsunterricht an verschiedenen Schulen anboten.
Vom 05. September 1970 datiert schließlich das Protokoll über die offizielle Aufnahme des Ergänzungsunterrichts, der zunächst in den Räumlichkeiten der Misión Española stattfindet. Diese Initiative ist zwar noch rein privat, wird aber von Anfang an vom Spanischen Staat unterstützt. Die eingesetzten Lehrer werden zunächst aus den bereits in Deutschland lebenden Spaniern ausgewählt.
Am 12. September beginnen vier Klassen mit gut 50 Schülern die Arbeit in den Räumen der Misión Española. Zusätzlich wird von den abgestellten Nonnen wochentags Unterricht in verschiedenen Stadtvierteln (Allach, Aubing, Pasing, Neuperlach) angeboten. Diese erste Phase dauert bis April/Mai 1971.
Ab 1971 kümmert sich eine spanische Unterrichtskommission um die Schulbildung der spanischen Migrantenkinder. Es werden insgesamt 20 hauptberufliche Lehrkräfte ernannt, die in Deutschland unterrichten sollen. Vier davon werden nach München entsandt, darunter Cecilia Bayer.
1973 wird das sogenannte 'Bayerische Modell' für die schulische Ausbildung der ausländischen Kinder vorgestellt. Dieses Modell geht davon aus, dass die ausländischen Kinder über kurz oder lang in ihre Heimat zurückkehren und hält deshalb einen primär muttersprachlichen Unterricht für sinnvoll, und das obwohl die in München lebenden spanischen Eltern schon seit mehreren Jahren dafür gesorgt hatten, dass ihre Kinder nicht nur öffentliche deutsche Schulen besuchten, sondern an den Samstagen auch in ihrer Muttersprache unterrichtet wurden.
Mit der Vorstellung des Bayerischen Modells sahen sich die spanischen Eltern plötzlich in einer Pionierrolle, da sie sich als einzige ausländische Elterngruppe gegen dieses Modell stellten und darauf bestanden, die bisherige schulische Ausbildung weiterzuführen.
Am 16. März 1974 protestierten die Münchner Eltern erfolgreich gegen das Bayerische Modell - der spanische Ergänzungsunterricht bleibt erhalten. 1975 besuchen 344 Schüler die Grundschule an der Implerstraße 35, wo sie von insgesamt 15 Lehrkräften unterrichtet werden.

Die Deutsche Bundesbahn


Im Februar 1961 kommen die ersten 200 spanischen Gastarbeiter zur Deutschen Bundesbahn nach München. Die meisten von ihnen sind Arbeiter und stammen aus Madrid. Sie wurden von der spanischen Gewerkschaft geworben, die sich auch um alle Formalitäten kümmerte. Ab 1963 entstehen die Wohnheime für die ausländischen Bundesbahn-Arbeitnehmer. Das erste spanische Wohnheim wurde in der Ginhardstr. 40 eingerichtet, wo 2 bis 5 Personen in einem Zimmer und bis zu 12 Personen in einer Wohnung lebten. Jede Wohnung verfügte über eine Gemeinschaftsküche und Waschgelegenheiten. Die Duschen befanden sich im Keller. Weitere Wohnheime befanden sich in der Wintfriedstraße, der Gravelottestraße, der Nymphenburgerstraße, bei den Ausbesserungswerken Freimann und Neuaubing und in Pasing. Vom 7. bis 11. Oktober 1968 findet in Bremen der 8. Ordentliche Kongress der Deutschen Eisenbahnergewerkschaft GdED statt. Als Vertreter der spanischen Gewerkschaftsmitglieder der Bahnstation München-Laim nimmt José Mestanza (auf dem Foto rechts) an der Tagung teil. In seiner Rede fordert er u. a. die Zuweisung von günstigen Firmenwohnungen an spanische Arbeitnehmer. Einige Monate später werden die ersten freien Wohnungen an spanische Familien vergeben.

Una postal para la ciudad de Munich

Nosotras, las curadoras de la exposición „Crossing Munich. Lugares, imágenes y debates de la Migración“, rogamos a aquellas personas que hayan pasado algun tiempo de su vida en Munich, envíen una postal a la ciudad. Esta postal debería resumir en unas cuantas palabras los recuerdos que tienen de su estancia en Munich y cuales son sus pensamientos desde la distancia.
¿Críticos? ¿Añorantes? ¿Constructivos?

Esta postal – preferentemente una postal de su actual domicilio – se integrará en la exposición tal como se recibió.

Rogamos la envíen a esta dirección:

Kulturreferat München
„Crossing Munich“
Burgstr. 4
80331 München

Si también nos comunica su dirección, se lo agradeceremos en 2009 enviándoles el catálogo de la exposición.

¡Un cordial saludo desde Munich y muchas gracias de antemano!


Andrea Engl
Curadora „Crossing Munich“

Eine Postkarte für München

Wir – die Kuratorinnen der Ausstellung - bitten anlässlich des Projekts „Crossing Munich. Orte, Bilder und Debatten der Migration“ Menschen, die eine Zeit ihres Lebens in München verbracht haben, der Stadt eine Postkarte zu schreiben. Diese Karte sollte in ein paar Sätzen ausdrücken, welche Erinnerungen sie an die Zeit in München haben und wie sie aus der Ferne an die Stadt denken: Kritisch? Wehmütig? Konstruktiv?
Die Karte – die bitte eine Ansichtskarte von Ihrem derzeitigen Wohnort sein sollte – wird so, wie Sie sie schreiben, gemeinsam mit allen anderen eingegangenen Postkarten in der Ausstellung gezeigt.

Bitte schreiben Sie an folgende Adresse:

Kulturreferat München
„Crossing Munich“
Burgstr. 4
80331 München

Wenn Sie uns Ihre Adresse zukommen lassen, bekommen Sie von uns zum Dank im nächsten Jahr den Ausstellungskatalog zugeschickt. Sollten Sie Fragen haben, freue ich mich über Ihren Anruf, E-Mail oder Brief.

Mit Besten Grüßen aus München
und Herzlichem Dank im Voraus,


Andrea Engl
Organisatorin und Kuratorin „Crossing Munich“

Gesucht: Spanische „Gastarbeiter“ der 1. Generation

Im Zuge der Vorbereitungen und Recherchen für das Ausstellungsprojekt Crossing Munich des Kulturreferats der Stadt München soll auch die Geschichte der spanischen Gastarbeiter in München von 1960 bis 1975 rekonstruiert werden. Geplant ist in diesem Zusammenhang die Einbeziehung von Zeitzeugenberichten, die in Form von Interviews mit spanischen Arbeitnehmern, die zwischen 1960 und 1975 nach München gekommen sind, gesammelt werden sollen. Zu diesem Zweck suchen wir Spanierinnen und Spanier, die dieses Projekt unterstützen möchten und bereit sind, über ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu berichten – selbstverständlich in spanischer Sprache.

Wenn Sie sich beteiligen möchten oder jemanden kennen, mit dem wir Kontakt aufnehmen könnten oder sollten, dann melden Sie sich bitte per E-Mail unter

emigrantesespanoles@googlemail.com

damit wir einen ersten unverbindlichen Gesprächstermin vereinbaren können.


Vielen Dank für Ihr Interesse und freundliche Grüße,


Clarissa (Emigrantes Espanoles)

Se buscan „gastarbeiter“ españoles de la 1ª generación

En el contexto de los preparativos para el proyecto de exposición Crossing Munich que organiza el negociado de cultura de la ciudad de Munich también está previsto reconstruir la historia de los “gastarbeiter” españoles en Munich desde 1960 hasta 1975. A este efecto se están buscando testigos de la época para entrevistas, o sea aquellos/-as españoles/-as que llegaron a Munich entre 1960 y 1975 que quieren apoyar dicho proyecto y que estén dispuestos/-as a contarnos su historia y hablarnos de sus experiencias – desde luego en español.

Si Vd. quiere participar o si conoce a alguien con quién deberíamos ponernos en contacto, rogamos nos nos contacten por correo electrónico para poder quedar para una primera cita sin compromiso.

Nuestra dirección electrónica:

emigrantesespanoles@googlemail.com


Gracias por su interés y un saludo,


Clarissa (Emigrantes Espanoles)